Pressestimmen aus den Jahren

2019 -

 

BNN vom 16.Mai 2019

 

DIE ERGEBNISSE des zweitägigen Workshops auf der Veste Coburg präsentieren die Brettener „Feuerwerker“

um Lehrgangsleiter Heiner Grieb (Vierter von rechts). Foto: Mutter

 

Für das Fest ging es auf die Veste

Brettener Gruppen bereiten sich bei Workshop in Coburg auf Peter und Paul vor

Von unserer Mitarbeiterin Sylvia Mutter

Coburg/Bretten. Auf die Veste für das Fest: Aus guter Tradition fanden ein Dutzend Mitglieder verschiedener Peter-und-Paul-Gruppen den Weg nach Coburg. Ziel war der anspruchsvolle Workshop „Militärisches Feuerwerk“, bei dem sich die Mitglieder der Gruppen Albrecht Schedels Fähnlein, Brettener Landsknechte und Brettener Artillerie auf die Vorführung „Die Kunst, das Feuer zu beherrschen“ in der Simmelturm-Arena sowie die Demonstration im Lager der Brettener Artillerie vorbereiteten. Unter wissenschaftlicher Anleitung des Teams der Veste um Alfred Geibig und Heiner Grieb wurden bekannte Techniken wie Brandballen, Pechkranz oder Sturmtopf verfeinert und Neuerungen wie das so genannte Sturmfass erprobt, das vielleicht auch in Bretten einmal zu sehen sein wird. Hierbei handelt es sich um eine frühneuzeitliche Verteidigungswaffe, basierend auf einem ausgehöhlten Eichenstamm mit 40 kreuzförmig angeordneten Eisenrohren, die – zumindest im Original – in alle Richtungen schossen. Solche Sturmfässer wurden laut Grieb an kritischen Punkten einer Verteidigungsanlage angebracht und konnten den Bereich, beispielsweise hinter einem Burgtor, sichern, verschoss doch das Fass nach der Zündung nacheinander und selbsttätig alle Ladungen wie Kugeln oder gehacktes Blei.

Vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit sorgte für erschwerte Bedingungen bei der Herstellung und beim Zünden der unterschiedlichen Brandsätze. Dennoch trotzten die „Feuerwerker“ den widrigen Wetterbedingungen. Auch der guten Stimmung tat der Regen keinen Abbruch, zeigte sich doch bei der abendlichen Demonstration der verschiedenen Brandsätze, wie erfolgreich die vorangegangenen „Bastelarbeiten“ an den Rekonstruktionen waren: Spezielle Pyro-Effekte kamen in der Dämmerung besonders zur Geltung. Insgesamt waren 35 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet angereist, darunter Darsteller aus dem Bereich historischer Feste, aber auch Museumsund Archivmitarbeiter, die sich aus erster Hand darüber informierten, welche Funktion und Wirkung die Originale in ihren eigenen Sammlungen oder Museen einst hatten. Dass sich hierbei ein reger Gedankenaustausch entspann, Wissen vertieft und weitergegeben wurde, liegt auf der Hand. Zufriedenheit herrschte deshalb am Ende bei allen Beteiligten: Die Brandpfeiltechnik und vor allem die Brandballen konnten optimiert werden – und die Zuschauer in der Simmelturm-Arena dürfen sich auf eine interessante Darbietung mit verbesserten pyrotechnischen Effekten freuen. Die Vorführung findet am Peter-und-Paul-Samstag im Vorfeld der Schlacht statt, informieren kann man sich jedoch schon zuvor im Lager der Brettener Artillerie.

 

 

 

 

BNN vom 01.Juni 2019


 

DIE IDEALE KULISSE für die Brettener Gewandträger (in der Mitte mit Pokal: Marius Meyerhoff als Kurprinz und links Initiator Heiko P. Wacker als Geschützmeister) bot der imposante
Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses. Das wurde nach der erfolgreichen Belagerung Brettens 1504 militärisch verstärkt. Foto: Mutter

Peter und Paul: Kurprinz besucht „sein“ Schloss

Brettener Artilleriegruppe stellt historische Szenen nach / Anlage wurde nach 1504 „aufgerüstet“

Von unserer Mitarbeiterin Sylvia Mutter

Heidelberg/Bretten. Ein außergewöhnlicher Anblick bot sich am vergangenen Donnerstag den zahlreichen Besuchern des Heidelberger Schlosses: Etwas aus der Zeit gefallene, hochherrschaftlich gekleidete Figuren lustwandelten durch den Schlossgarten. Neugierige Blicke zog vor allem ein junger Mann im frühneuzeitlichen Prinzengewand auf sich, auch seine gefährlich anmutende, mit Hellebarden bewaffnete „Leibgarde“ machte großen Eindruck. Doch so recht konnte sich niemand einen Reim darauf machen. Für die meisten Brettener wäre dieses Rätsel leicht zu lösen gewesen: Keine Frage, es handelte sich um Kurprinz Ludwig, der hier „sein“ Schloss in Augenschein nahm. Eine Zeichnung trug er bei sich, die er im Sommer vergangenen Jahres während des Peter-und-Paul- Festes in Bretten erhalten hatte. Hier nämlich nahm diese nicht ganz alltägliche Aktion ihren Ursprung. In einem szenischen Spiel erhielt er im Lager der Brettener Artillerie Ratschläge, wie er sein Heidelberger Schloss militärisch ausstatten könnte, um einer Belagerung erfolgreich standzuhalten. Historiker Heiko P. Wacker kam seinerzeit auf die Idee, dem Kurprinzen, dargestellt von Marius Meyerhoff, eine Art Bauplan mit auf den Weg nach Heidelberg zu geben. „Fakt ist“, so führte Wacker gegenüber den BNN aus, „dass Ludwig direkt nach seinem Amtsantritt damit begann, das Heidelberger Schloss massiv umzubauen. Vielleicht ließ er sich 1504 in Bretten inspirieren.“ Im Sommer dieses Jahres nämlich wurde Brettheim von den Truppen des Herzogs Ulrich von Württemberg belagert, doch die Brettener schlugen den Feind zurück und blieben kurpfälzisch.

Der interessante Ansatz, den Festbesuchern historische Begebenheiten lebensnah zu vermitteln, führte schließlich zur Idee, den Kurprinzen zu einem Spaziergang auf „sein“ Schloss einzuladen.

Selbiges hatte er bis dato noch nicht erkundet, studiert er doch im wahren Leben Wirtschaftspädagogik im benachbarten Mannheim. Und da ein Kurprinz nicht alleine wandelt, erschien er gleich in Begleitung seines Hofstaates, also mit der Brettener Huldigungsgruppe rund um den „Kanzler“, Marsilius von Reiffenberg und Freunden. „Ohne Leibgarde verlässt der Prinz niemals sein Schloss“, versicherte Kanzler Thorsten Schwuchow. Die Leitung übernahm Heiko P. Wacker, der sowohl über das Heidelberger Schloss promoviert als auch das Standardwerk zum Thema publiziert hat, und selbst passenderweise im zeitgenössischen Gewand eines Geschützmeisters zur Führung bat.

Von der Altstadt aus begab sich die Gruppe durch das Friesental zum Hortus Palatinus, um schließlich zum eigentlichen Schlossgeviert zu gelangen. Nicht erst hier erregte die farbenfrohe Gruppe ob ihrer authentischen Gewänder Aufsehen, war ein Publikumsmagnet und begehrtes Fotomotiv für die an diesem sommerlichen Himmelfahrtstag zahlreichen Besucher des Schlosses. Besonders bei der Damenwelt rief der schmucke Prinz mit seinem Gefolge wahres Entzücken hervor. Der Urheber der ganzen Aktion ließ sich hiervon jedoch nicht beeindrucken. In gewohnt wissenschaftlicher Manier erläuterte Wacker die Besonderheiten der Palastanlage, ging insbesondere auf die Brunnenhalle und den Ludwigspalast ein, beides, wie auch Torturm und Brückenhaus, Hinterlassenschaften Ludwigs.

Den krönenden Abschluss bildete der einzigartige Blick vom Stückgarten auf die Stadt und das sich öffnende Neckartal. Ebendiese beeindruckenden Mauermassen, diese spezielle bauliche Struktur aus Westwall, Dickem Turm und Nordwall, ist auf besagter Zeichnung aus Bretten festgehalten. Dennoch wies Historiker Wacker darauf hin, dass es sich bei dem Plan lediglich um eine charmante Idee handle. „Ob Ludwig wirklich solch eine Zeichnung in Bretten erhielt, ist nicht beweisbar, das darf man nicht vergessen.“ Das Relief am Dicken Turm zeigt Ludwig V. als imposanten, bärtigen Reichsfürsten. Dass dieser bereits in jungen Jahren, als er etwa im Alter des Brettener Protagonisten war, Kriegserfahrung und Inspiration für seine Bauaktivitäten sammeln konnte, daran erinnerte die einzigartige Aktion der Brettener Gewandträger, die auf diesem Wege Geschichte lebendig werden ließen – und in Heidelberg einen bleibenden Eindruck machten. Bemerkenswert ist laut Ansicht der Historiker, dass in diesem besonderen geschichtlichen Zusammenhang eine Figur aus dem Dunkel geholt wurde, die zwar in Bretten, jedoch nicht in Heidelberg omnipräsent ist. Die außergewöhnliche Gegenüberstellung des „gegenwärtigen“ Prinzen mit dem späteren Kurfürsten war denn auch sehr gelungen und beflügelte spürbar die Fantasie der anwesenden Besucher – eine nach Meinung vieler wunderbare Einstimmung auf das nahende Peter-und-Paul-Fest. In knapp einem Monat wird wieder in Bretten dem Kurprinzen gehuldigt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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